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Veranstaltungen

Termin Informationen:

  • Fr
    07
    Sep
    2018

    Quartetto Pazzo

    18:30Jazzinstitut

    Weder Kammerensemble noch italienische Filmkomödie

    Christof Thewes | Posaune
    Rudi Mahall | Bassklarinette
    Karl-Ludwig Hübsch | Tuba
    Martial Frenzel | Schlagzeug

    Foto: Wilfried Heckmann©

    Die Besetzung klingt fast nach Kammerensemble (oder nach einer italienischen Filmkomödie von Guido Salvini), der Sound der Band jedoch eher nach Garage. Trashig und ungeschliffen liefert Quartetto Pazzo musikalische Rohdiamanten, bedient sich stilistisch wahlweise im Rock oder der Neuen Musik und schmeißt dabei die Jazztradition über Bord, um sie dann unerwartet wieder aufzunehmen. Posaunist Christof Thewes ist ein Meister der Collage, in seinen unorthodoxen Kompositionen verknüpft er beinahe-tanzbare Grooves mit verästelten Melodielinien, als Instrumentalist ist er ohnehin umwerfend. Mit dem fantastischen Rudi Mahall, dem Kölner Freigeist Karl-Ludwig Hübsch an der Tuba und Power-Drummer Martial Frenzel hat er kongenial(-verrückt)e Ausführungsgehilfen für sein Klanguniversum gefunden.

    Hans Jürgen Schal über Christof Thewes
    Christof Thewes ist einer der spannendsten Jazzposaunisten Europas. Zudem ist er ein unerschöpflicher, brillanter Komponist. Thewes improvisiert frei mit freien Geistern in ganz Europa. Er komponiert für Avantgarde-Ensembles und ist bei Festivals der Neuen Musik zu hören. Er arbeitet mit experimentellen Pop- und Elektronikbands und ist Träger eines Rockförderpreises. Er erfindet Musik für Literaturprojekte und nimmt an Hörspielfestivals teil. Er tritt mit dem Literaten und Sprecher Alfred Gulden auf und spielt in Free-Jazz-Formationen wie dem Globe Unity Orchestra. Er leitet eine ganze Reihe abenteuerlustiger Jazz-Ensembles und schreibt für sie packende, fesselnde Stücke. Er bearbeitet Mingus ebenso wie Mussorgsky. Als Komponist verblüfft er mit Stücken aus dem Geist des frühen Free Jazz, aber auch mit einer verbindlichen, geerdeten Kammermusik. Und er schreibt am liebsten für sich selbst als Interpreten: „Die Posaune ist mein Medium.“

    Beat Blaser über Rudi Mahall

    Rudi Mahall spielt Klarinette und sonst nichts. Der Berliner Musiker Rudi Mahall ist ein Unikum: Er beschränkt sich bewusst auf Weniges – nämlich nur auf das, was er besser kann als andere. Er gräbt lieber in der Tiefe als ein Riesenfeld zu beackern. Seine musikalische Forschungsarbeit lohnt sich: Er fördert völlig eigenständige Klänge zutage.

    Der Bassklarinettist Rudi Mahall, aus Nürnberg stammend und heute im Raum Berlin lebend, kann nur eines: auf der Bassklarinette improvisieren. Dies macht er allerdings so gut und eigenständig, dass nicht mehr nötig ist. Mahall befindet sich damit in einer langen Jazztradition: Viele der grossen Improvisatoren in dieser Musik – Coleman Hawkins, Louis Armstrong, Ben Webster – machten ein Leben lang nichts anderes, als auf ihrem einzigen Instrument auf ihre eigene Art zu improvisieren.

    Diese Mischung aus absoluter Instrumentenbeherrschung, eigenständiger Improvisationskunst und nicht zuletzt ansteckendem Spielwitz macht, dass Mahall sich über Arbeitsmangel nicht beklagen muss. Jeder will ihn in seiner Band haben. Er ist ein Katalysator, der die Musik oft über sich hinauswachsen lässt und jede Band besser klingen lässt.

    Lu Hübsch über Lu Hübsch

    Meine Konzerte befassen sich mit dem Aspekt der Musik als Struktur in der Zeit. Der Fokus liegt auf dem Moment des Entstehens. Emphase oder Dramaturgie werden immer wieder spielend gebrochen und in neuen Impulsen fortgeführt, wobei die „Selbstbestimmtheit“ des musikalischen Laufs konstanter Bezugspunkt ist.
 Die Verwendung moderner und selbstentwickelter Spieltechniken geht weit über das verbreitete Blasmusikklischee hinaus, mit dem die Tuba immer wieder in Verbindung gebracht wird.
 Ein innovatives Klangfeld breitet sich aus, die Tuba wird aus einer neuen Perspektive dargestellt und das Publikum hört sich hören.

    Hübsch lernte zunächst Klarinette, wechselte dann zum Schlagzeug und 1983 von der Klarinette zur Tuba. Er studierte meist autodidaktisch, aber auch
    an der PH Freiburg Schlagzeug, Gesang und Elektronische Musik <https://de.wikipedia.org/wiki/Elektronische_Musik> sowie Harmonielehre und Tonsatz und war später Gaststudent in der Kompositionsklasse von Johannes Fritsch <https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Fritsch> an der Hochschule für Musik in Köln.

    Diverse Schreiber über Martial Frenzel

    Zwischen dem Aufblühen einer Idee und ihrer Beerdigung liegen manchmal nur ein paar Minuten.
    Der Sohn einer Französin und eines Deutschen studierte an der Hochschule für Musik Saar und ist ein enger Bruder im Geiste des Posaunisten Christof Thewes, mit dem ihn unzählige musikalische Projekte verbinden. Mit Thewes teilt Frenzel auch seinen überaus humorvollen Umgang mit vermeintlich schwer zugänglichem musikalischen Material. In seinem Soloprogramm Microman etwa trommelt er sich “wild, wüst und gefräßig” durch Klanglandschaften ganz seinen Vorbildern Tony Oxley, Ed Blackwell oder Buddy Rich (!) verpflichtet.

    Eine Veranstaltung des Fördervereins Jazz e.V.